Golf und Longevity: Was die Forschung über Golf und gesundes Altern zeigt

Golf und Longevity: Was die Forschung über Golf und gesundes Altern zeigt

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„Vier Stunden unterwegs. Wenig davon am Limit. Und trotzdem interessant für Longevity.“

Die Einladung kommt von einem Geschäftspartner: Samstagmorgen, 18 Loch, danach Mittagessen im Clubhaus. Vier Stunden für eine Runde, bei der die meiste Zeit gegangen statt trainiert wird.

Der erste Impuls: lieber eine knackige 45-Minuten-Einheit im Gym, dann ist der Rest des Tages frei.

Golf gilt vielen als Funsport, nicht als Fitnessprogramm. Mehrere Stunden unterwegs sein, gehen, schwingen, dazwischen reden – das sieht nicht nach klassischem Ausdauertraining aus.

Trotzdem zeigen einige Studien interessante Zusammenhänge mit Gesundheit, kognitiver Funktion und Langlebigkeit.

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Was zeigt die Forschung zu Golf und Longevity?  

In 60 Sekunden verstehen

  • Eine große schwedische Kohortenstudie fand bei Golfspieler eine niedrigere standardisierte Mortalitätsrate als in der schwedischen Allgemeinbevölkerung – ein Zusammenhang, kein bewiesener Kausaleffekt.

  • Eine 18-Loch-Runde verbindet eine vergleichsweise niedrige Belastungsintensität mit einer langen Aktivitätsdauer.

  • Eine randomisierte Studie fand nach 24 Wochen regelmäßigem Golftraining eine signifikante Verbesserung des logischen Gedächtnisses bei älteren Erwachsenen. Bei anderen kognitiven Tests zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

  • Eine Studie aus dem Jahr 2026 fand bei aktiven Golfspieler seltener Hinweise auf kognitiven Abbau als bei Menschen ohne Golf-Erfahrung. Der Zusammenhang zeigte sich eher mit der Dauer der Golf-Biografie als mit der Anzahl gespielter Runden.

  • Eine Vergleichsstudie mit älteren Erwachsenen zeigte nach einer Runde Golf akute Veränderungen kardiometabolischer Marker. Bei einzelnen Markern unterschieden sich die Veränderungen von denen nach Nordic Walking oder gewöhnlichem Gehen.

Die Zahlen im Überblick

300.818
Golfspieler:innen in der schwedischen Kohortenstudie
40 %
niedrigere standardisierte Sterberate – beobachteter Zusammenhang, keine Kausalität
24
Wochen Golftraining in der randomisierten Gedächtnisstudie
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Deep Dive: Was die Studien tatsächlich zeigen

Vier Stunden, die statistisch auffallen

Zurück zur Einladung fürs Wochenende: Lohnt sich das, verglichen mit den 45 Minuten im Gym?

Eine interessante Perspektive liefert eine umfangreiche schwedische Kohortenstudie mit den Daten von 300.818 Mitgliedern des schwedischen Golfverbands, abgeglichen mit dem nationalen Sterberegister.

Das Ergebnis: Die standardisierte Mortalitätsrate der Golfspieler lag bei 0,60 im Vergleich zur übrigen schwedischen Bevölkerung, unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und sozioökonomischem Status.

Vereinfacht ausgedrückt entspricht das einer um rund 40 % niedrigeren standardisierten Sterberate.

Der Zusammenhang zeigte sich in allen untersuchten Altersgruppen und sozioökonomischen Schichten sowie bei Männern und Frauen.

Interessant ist auch der Blick aufs Handicap: Die spielstärksten Golfer hatten die niedrigste standardisierte Mortalitätsrate (0,53). Golfer mit höherem Handicap lagen darüber (0,68) – aber weiterhin unter der Vergleichsbevölkerung.

Auch dieser Zusammenhang erlaubt jedoch keine Aussage darüber, ob häufigeres oder besseres Golfspielen ursächlich für die niedrigere Mortalität war.

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Autor betonen selbst, dass sich nicht sicher bestimmen lässt, wie viel der beobachteten Differenz tatsächlich auf Golf zurückgeht.

Menschen, die gesünder und körperlich aktiver sind, könnten schlicht eher Golf spielen und den Sport länger ausüben. Auch andere Unterschiede zwischen Golfspieler und der Vergleichsbevölkerung könnten eine Rolle spielen.

Die entscheidende Einordnung: Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang, aber keinen Beweis dafür, dass Golf das Leben verlängert.

Warum mehrere gemächliche Stunden trotzdem etwas im Körper bewegen

Was die Golfrunde von der 45-Minuten-Alternative im Gym unterscheidet, ist nicht nur die Intensität, sondern vor allem die Dauer.

Und genau das macht sie aus Bewegungssicht interessant.

Eine randomisierte Cross-over-Studie mit 25 gesunden älteren Golfspieler (Durchschnittsalter 68 Jahre) verglich die akuten Auswirkungen einer 18-Loch-Runde mit sechs Kilometern Nordic Walking und sechs Kilometern gewöhnlichem Gehen.

Alle drei Bewegungsformen gingen mit akuten Veränderungen kardiometabolischer Marker einher.

Im direkten Vergleich unterschieden sich die Veränderungen des Blutzuckers zwischen Golf und gewöhnlichem Gehen sowie die Veränderungen von Triglyceriden und HDL-Cholesterin zwischen Golf und beiden Walking-Varianten signifikant.

Als mögliche Erklärung nennen die Autor unter anderem die längere Dauer und den höheren Energieverbrauch der Golfrunde.

Die Golf-Einheit dauerte in dieser Untersuchung durchschnittlich rund 210 Minuten und umfasste etwa 8,8 Kilometer. Sie war damit deutlich länger als die beiden Walking-Einheiten.

Wichtig zur Einordnung: Gemessen wurden akute Veränderungen nach einzelnen Bewegungseinheiten.

Daraus lässt sich nicht ableiten, dass regelmäßiges Golf langfristig zu besseren Blutzucker- oder Cholesterinwerten führt als Walking.

Die Untersuchung zeigt vielmehr, dass auch eine Aktivität mit vergleichsweise niedriger Intensität interessante kurzfristige physiologische Reaktionen auslösen kann.

Was mit dem Kopf passiert, während der Ball fliegt

Golf verlangt zwischen den Schlägen auch etwas, das im klassischen Ausdauertraining nicht immer im Vordergrund steht: Konzentration über Stunden, räumliches Einschätzen, Strategie und die wiederholte Anpassung an wechselnde Situationen.

Eine 2018 im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichte randomisiert-kontrollierte Studie mit 106 älteren japanischen Erwachsenen untersuchte, ob sich strukturiertes Golftraining auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkt.

100 Teilnehmende schlossen die Abschlussmessung ab.

Eine Gruppe absolvierte über 24 Wochen ein strukturiertes Golftraining. Die Kontrollgruppe nahm an einem Gesundheitsbildungsprogramm teil.

Das Ergebnis: Die Golf-Gruppe verbesserte sich gegenüber der Kontrollgruppe signifikant beim logischen Gedächtnis – sowohl bei unmittelbarer als auch verzögerter Erinnerung und beim zusammengesetzten Gedächtniswert.

Bei mehreren anderen kognitiven Tests, darunter MMSE, Wortgedächtnis und Trail Making, zeigten sich dagegen keine signifikanten Unterschiede.

Weil es sich um eine randomisierte Studie handelt, lässt sich der beobachtete Effekt stärker auf die Intervention beziehen als bei einer reinen Beobachtungsstudie.

Trotzdem sollte daraus keine allgemeine Aussage wie „Golf verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit“ werden.

Die Stichprobe war vergleichsweise klein, und die nachgewiesenen Verbesserungen betrafen bestimmte Gedächtnismaße.

Eine 2026 in Acta Psychologica veröffentlichte Studie mit 4.575 älteren Teilnehmenden ergänzt dieses Bild.

Hinweise auf kognitiven Abbau wurden bei 14,1 % der aktuellen Golfspieler, 20,1 % der ehemaligen Golfspieler und 21,6 % der Personen ohne Golf-Erfahrung festgestellt.

Eine längere Golf-Historie war mit geringeren Odds für kognitiven Abbau assoziiert. Ein klarer Zusammenhang mit der Anzahl gespielter Runden zeigte sich dagegen nicht.

Auch hier gilt die Einschränkung einer Querschnittsstudie: Sie kann nicht beantworten, ob langjähriges Golfspielen vor kognitivem Abbau schützt oder ob Menschen mit besser erhaltener kognitiver Funktion schlicht häufiger über viele Jahre Golf spielen.

Denkbar ist ebenso, dass Menschen mit beginnenden kognitiven Einschränkungen komplexe Hobbys wie Golf eher aufgeben.

Die Forschung liefert damit interessante Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Golf und bestimmten kognitiven Funktionen – aber keinen Beweis für eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz oder kognitiven Abbau.

Kontext – Warum Golf ein interessanter Fall für Longevity-Forschung ist

Golf ist ein gutes Beispiel dafür, dass körperliche Aktivität nicht zwingend hochintensiv sein muss, um mit gesundheitsrelevanten Parametern in Verbindung zu stehen.

Eine Runde bedeutet über mehrere Stunden Aktivität, ohne dass die Belastung dauerhaft hoch sein muss.

Gleichzeitig stellt sie motorische und kognitive Anforderungen und lässt sich bis ins höhere Lebensalter ausüben.

Das macht Golf für die Forschung zum gesunden Altern interessant. Es beweist aber noch nicht, dass genau diese Kombination für die beobachteten Unterschiede bei Mortalität oder Kognition verantwortlich ist.

Ebenso wichtig ist, was die Studien nicht belegen:

Keine der genannten Untersuchungen zeigt, dass Golf anderen Ausdauersportarten hinsichtlich der Langlebigkeit überlegen ist.

Auch die schwedische Kohortenstudie beweist keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Golfspielen und einem längeren Leben.

Die Studien untersuchen zudem unterschiedliche Fragen – Mortalität, bestimmte kognitive Funktionen, kognitiven Abbau und kurzfristige kardiometabolische Marker.

Zusammen ergeben sie keinen Beweis dafür, dass Golf die Lebensdauer verlängert.

Sie zeigen vielmehr, warum Golf als Form körperlicher Aktivität im Zusammenhang mit gesundem Altern wissenschaftlich interessant ist.

Drei Erkenntnisse für deinen Alltag

1. Bewegung muss nicht immer hochintensiv sein.

Eine Golfrunde verbindet mehrere Stunden körperliche Aktivität mit vergleichsweise niedriger Belastungsintensität. Die Forschung zeigt, dass auch solche Bewegungsformen für die Untersuchung gesundheitsrelevanter Zusammenhänge interessant sind.

2. Golf ersetzt nicht automatisch intensives Training.

Die Studien zeigen weder, dass Trainingsintensität unwichtig ist, noch dass Golf anderen Sportarten grundsätzlich überlegen wäre. Unterschiedliche Bewegungsformen können sich im Alltag sinnvoll ergänzen.

3. Langfristige Aktivität ist eine interessante Perspektive.

In einer Studie aus dem Jahr 2026 war eine längere Golf-Biografie mit geringeren Odds für kognitiven Abbau verbunden. Ob das Golfspielen selbst dafür verantwortlich ist, bleibt offen.

Die Ergebnisse unterstreichen aber, warum langfristig ausgeübte Aktivitäten wissenschaftlich interessant sind.

DROPVERSE®

Insight

Zurück zur Einladung fürs Wochenende: Die vier Stunden auf dem Platz müssen kein verlorener Trainingstag gegenüber dem Gym sein.

Eine Golfrunde verbindet körperliche Aktivität über einen längeren Zeitraum mit motorischen und kognitiven Anforderungen.

Mehrere Untersuchungen zeigen interessante Zusammenhänge zwischen Golf und Mortalität, bestimmten kognitiven Funktionen sowie kurzfristigen kardiometabolischen Veränderungen.

Was die Forschung vor allem offenlässt, ist die Frage nach Ursache und Wirkung.

Die Daten beweisen nicht, dass Golf das Leben verlängert.

Sie zeigen aber, warum eine Sportart interessant sein kann, die Bewegung, Konzentration und strategisches Denken über mehrere Stunden miteinander verbindet.

Vielleicht ist genau das eine der interessanteren Perspektiven auf Bewegung und Longevity:

Nicht jede sinnvolle Form von Aktivität muss sich wie ein Workout anfühlen.

Training – ob auf dem Golfplatz oder anderswo – ist dabei nur ein Teil des Alltags.

Langfristige Leistungsfähigkeit entsteht nicht allein durch Belastung, sondern auch dadurch, Erholung bewusst mitzudenken.

DROPVERSE® übersetzt deshalb Wissen aus dem Leistungssport rund um Stress, Erholung und Performance in den Alltag.

Quellen & wissenschaftliche Grundlage

Die Aussagen in diesem Artikel basieren unter anderem auf folgenden wissenschaftlichen Publikationen:

1. Farahmand B, Broman G, De Faire U, Vågerö D, Ahlbom A. Golf: a game of life and death – reduced mortality in Swedish golf players. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports. 2009;19(3):419–424. DOI: 10.1111/j.1600-0838.2008.00814.x

2. Shimada H, Lee S, Akishita M, et al. Effects of golf training on cognition in older adults: a randomised controlled trial. Journal of Epidemiology and Community Health. 2018;72:944–950. DOI: 10.1136/jech-2017-210052

3. Shimada H, Doi T, Makizako H, Toba K. Relationship between playing golf and cognitive function in old age. Acta Psychologica. 2026;268:107354. DOI: 10.1016/j.actpsy.2026.107354

4. Kettinen J, Tikkanen H, Venojärvi M. Comparative effectiveness of playing golf to Nordic walking and walking on acute physiological effects on cardiometabolic markers in healthy older adults: a randomised cross-over study. BMJ Open Sport & Exercise Medicine. 2023;9. DOI: 10.1136/bmjsem-2022-001474

Stand der wissenschaftlichen Einordnung: Oktober 2026.

Die dargestellten Studien unterscheiden sich hinsichtlich Studiendesign, Population und untersuchten Endpunkten. Beobachtete Zusammenhänge aus Kohorten- und Querschnittsstudien belegen für sich allein keine Kausalität. Kurzfristige Veränderungen physiologischer Marker lassen zudem keine direkten Aussagen über langfristige gesundheitliche Effekte zu.

Diese Inhalte dienen der Information und ersetzen keine medizinische Beratung.

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