Was zeigt die Forschung zu Golf und Longevity?
In 60 Sekunden verstehen
Die Zahlen im Überblick
Deep Dive: Was die Studien tatsächlich zeigen
Vier Stunden, die statistisch auffallen
Zurück zur Einladung fürs Wochenende: Lohnt sich das, verglichen mit den 45 Minuten im Gym?
Eine interessante Perspektive liefert eine umfangreiche schwedische Kohortenstudie mit den Daten von 300.818 Mitgliedern des schwedischen Golfverbands, abgeglichen mit dem nationalen Sterberegister.
Das Ergebnis: Die standardisierte Mortalitätsrate der Golfspieler lag bei 0,60 im Vergleich zur übrigen schwedischen Bevölkerung, unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und sozioökonomischem Status.
Vereinfacht ausgedrückt entspricht das einer um rund 40 % niedrigeren standardisierten Sterberate.
Der Zusammenhang zeigte sich in allen untersuchten Altersgruppen und sozioökonomischen Schichten sowie bei Männern und Frauen.
Interessant ist auch der Blick aufs Handicap: Die spielstärksten Golfer hatten die niedrigste standardisierte Mortalitätsrate (0,53). Golfer mit höherem Handicap lagen darüber (0,68) – aber weiterhin unter der Vergleichsbevölkerung.
Auch dieser Zusammenhang erlaubt jedoch keine Aussage darüber, ob häufigeres oder besseres Golfspielen ursächlich für die niedrigere Mortalität war.
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Autor betonen selbst, dass sich nicht sicher bestimmen lässt, wie viel der beobachteten Differenz tatsächlich auf Golf zurückgeht.
Menschen, die gesünder und körperlich aktiver sind, könnten schlicht eher Golf spielen und den Sport länger ausüben. Auch andere Unterschiede zwischen Golfspieler und der Vergleichsbevölkerung könnten eine Rolle spielen.
Die entscheidende Einordnung: Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang, aber keinen Beweis dafür, dass Golf das Leben verlängert.
Warum mehrere gemächliche Stunden trotzdem etwas im Körper bewegen
Was die Golfrunde von der 45-Minuten-Alternative im Gym unterscheidet, ist nicht nur die Intensität, sondern vor allem die Dauer.
Und genau das macht sie aus Bewegungssicht interessant.
Eine randomisierte Cross-over-Studie mit 25 gesunden älteren Golfspieler (Durchschnittsalter 68 Jahre) verglich die akuten Auswirkungen einer 18-Loch-Runde mit sechs Kilometern Nordic Walking und sechs Kilometern gewöhnlichem Gehen.
Alle drei Bewegungsformen gingen mit akuten Veränderungen kardiometabolischer Marker einher.
Im direkten Vergleich unterschieden sich die Veränderungen des Blutzuckers zwischen Golf und gewöhnlichem Gehen sowie die Veränderungen von Triglyceriden und HDL-Cholesterin zwischen Golf und beiden Walking-Varianten signifikant.
Als mögliche Erklärung nennen die Autor unter anderem die längere Dauer und den höheren Energieverbrauch der Golfrunde.
Die Golf-Einheit dauerte in dieser Untersuchung durchschnittlich rund 210 Minuten und umfasste etwa 8,8 Kilometer. Sie war damit deutlich länger als die beiden Walking-Einheiten.
Wichtig zur Einordnung: Gemessen wurden akute Veränderungen nach einzelnen Bewegungseinheiten.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass regelmäßiges Golf langfristig zu besseren Blutzucker- oder Cholesterinwerten führt als Walking.
Die Untersuchung zeigt vielmehr, dass auch eine Aktivität mit vergleichsweise niedriger Intensität interessante kurzfristige physiologische Reaktionen auslösen kann.
Was mit dem Kopf passiert, während der Ball fliegt
Golf verlangt zwischen den Schlägen auch etwas, das im klassischen Ausdauertraining nicht immer im Vordergrund steht: Konzentration über Stunden, räumliches Einschätzen, Strategie und die wiederholte Anpassung an wechselnde Situationen.
Eine 2018 im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichte randomisiert-kontrollierte Studie mit 106 älteren japanischen Erwachsenen untersuchte, ob sich strukturiertes Golftraining auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkt.
100 Teilnehmende schlossen die Abschlussmessung ab.
Eine Gruppe absolvierte über 24 Wochen ein strukturiertes Golftraining. Die Kontrollgruppe nahm an einem Gesundheitsbildungsprogramm teil.
Das Ergebnis: Die Golf-Gruppe verbesserte sich gegenüber der Kontrollgruppe signifikant beim logischen Gedächtnis – sowohl bei unmittelbarer als auch verzögerter Erinnerung und beim zusammengesetzten Gedächtniswert.
Bei mehreren anderen kognitiven Tests, darunter MMSE, Wortgedächtnis und Trail Making, zeigten sich dagegen keine signifikanten Unterschiede.
Weil es sich um eine randomisierte Studie handelt, lässt sich der beobachtete Effekt stärker auf die Intervention beziehen als bei einer reinen Beobachtungsstudie.
Trotzdem sollte daraus keine allgemeine Aussage wie „Golf verbessert die kognitive Leistungsfähigkeit“ werden.
Die Stichprobe war vergleichsweise klein, und die nachgewiesenen Verbesserungen betrafen bestimmte Gedächtnismaße.
Eine 2026 in Acta Psychologica veröffentlichte Studie mit 4.575 älteren Teilnehmenden ergänzt dieses Bild.
Hinweise auf kognitiven Abbau wurden bei 14,1 % der aktuellen Golfspieler, 20,1 % der ehemaligen Golfspieler und 21,6 % der Personen ohne Golf-Erfahrung festgestellt.
Eine längere Golf-Historie war mit geringeren Odds für kognitiven Abbau assoziiert. Ein klarer Zusammenhang mit der Anzahl gespielter Runden zeigte sich dagegen nicht.
Auch hier gilt die Einschränkung einer Querschnittsstudie: Sie kann nicht beantworten, ob langjähriges Golfspielen vor kognitivem Abbau schützt oder ob Menschen mit besser erhaltener kognitiver Funktion schlicht häufiger über viele Jahre Golf spielen.
Denkbar ist ebenso, dass Menschen mit beginnenden kognitiven Einschränkungen komplexe Hobbys wie Golf eher aufgeben.
Die Forschung liefert damit interessante Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Golf und bestimmten kognitiven Funktionen – aber keinen Beweis für eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz oder kognitiven Abbau.
Kontext – Warum Golf ein interessanter Fall für Longevity-Forschung ist
Drei Erkenntnisse für deinen Alltag
Insight
Quellen & wissenschaftliche Grundlage
Diese Inhalte dienen der Information und ersetzen keine medizinische Beratung.